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Jemen-Kinderhilfe Aichach e.V.


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Zwischenbericht 2020

Aichach, 25.04.2020

Liebes Mitglied,

eigentlich sollte im Mai unsere Jahreshauptversammlung stattfinden. Sie alle leben in verschiedenen Bundesländern, für die verschiedene Gesetze im Umgang mit Corona gelten. Da wir nicht wissen wie sich die Situation entwickeln wird, sehen wir uns gezwungen, den Termin für unsere Jahreshauptversammlung auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Wir, der Vorstand des Fördervereins Aktiom Jemenhilfe e.V und der Jemen Kinderhilfe e.V. hoffen sehr, dass Sie bei guter Gesundheit sind und bleiben. Die Verschiebung fällt uns nicht leicht, jedoch ist der Schutz der Gesundheit wichtiger, als eine zum satzungsgemäß vorgeschriebenen Termin abgehaltene Versammlung.
Inzwischen wollen wir Ihnen jedoch die neuesten Meldungen und das Protokoll der Jahreshauptversammlung 2019 schicken.

Das Jahr 2020 hat für uns keine guten Nachrichten gebracht.
Der Verwalter unseres Krankenhauses Scheich Sadeq wartete immer noch in Kairo auf sein Visum, um nach Deutschland zur Behandlung fliegen zu können.
Am 20.02.2020  hat ein Urologe Scheich Sadeq Leftriaxone + Gentmyacine gespritzt, obwohl der Sohn von Scheich Sadeq (Apotheker) den Arzt über die Allergie von Scheich Sdaeq gegenüber Antibiotika gewarnt hatte. Er fiel sofort in einen anaphylaktischen Schock. Er wurde 15 Minuten lang reanimiert. Darauf lag er im Wachkoma. Er hat den Kampf um sein Leben am 22.03.2020 verloren. Die Unterlagen dieser Behandlung sind spurlos verschwunden!

Nachdem unsere Remonstration gegen die Ablehnung des Visaantrages von Scheich Sadeq wieder mit lapidaren Begründungen abgelehnt worden war, hatten wir mit Hilfe eines Anwaltes aus Frankfurt, der viel mit Ausländerrecht zu tun hat, einen neuen Visumsantrag gestellt.

Hier Beispiele für die Schikanen, denen er und auch wir ausgesetzt waren:
Man hatte Scheich Sadeq unterstellt, er sei im Jemen nicht verwurzelt. Er musste Gegenbeweise erbringen. Ich musste eidesstattlich erklären, dass dem Deutschen Staat durch seinen Aufenthalt hier keine Kosten entstehen.
Auch musste ich eidestattlich erklären, dass unser Verein Scheich Sadeq für seine Arbeit im Krankenhaus ein regelmäßiges Monatsgehalt bezahlt und dass er für die Betreuung der Kinder in Taizz ebenso von uns entlohnt wird. Hierzu wurde als Beweis das Jahresstatement der Bank
in Taizz vorgelegt.
Alle Unterlagen mussten im Original nach Kairo gebracht werden. Das war besonders für die Papiere aus dem Jemen sehr schwierig, weil zum Einen keine Behörden in Taizz mehr arbeiten und es zum Anderen keine Post mehr im Jemen gibt. Ali, ein Sohn von Scheich Sadeq vor Ort, hat jedoch das Unmögliche möglich gemacht und wir konnten alle Papiere einreichen.
Doch auch dieses Mal wurde das Gesuch abgelehnt!
Begründung: „Die vorgelegten Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthaltes waren nicht glaubhaft" und „Sie konnten den Reisezweck und ihre Rückkehrbereitschaft nicht überzeugend darlegen".
Wir hatten Klage beim Bundesverwaltungsgricht in Berlin eingereicht, das haben wir nun nach dem Tod von Scheich Sadeq zurückgezogen.

Mich persönlich belastet die Aussage, dass der von mir geleistete Eid „nicht glaubhaft ist". Ich empfinde dies als den Vorwurf einen Meineid geleistet zu haben. Wie ich reagieren werde, weiß ich im Augenblick noch nicht. Dies ist auch ein Punkt, den ich in der Hauptversammlung besprechen möchte. Meiner Meinung nach betrifft mich dies, nicht nur als Privatperson, sondern auch als Vorsitzende unserer beiden Vereine.

Durch den Corona Ausbruch ist der Flughafen von Kairo gesperrt. Somit war es nicht möglich Scheich Sadeq in seiner Heimat, dem Jemen, zu bestatten. Sein Sohn Waheeb, der jetzt sein Nachfolger ist, und sein jüngster Bruder sitzen jetzt in Kairo fest.
Auch im Jemen sind die ersten Coronafälle bestätigt. Im ganzen Land gibt es für ca 26 Millionen Menschen nur 50 Beatmungsgeräte.!

Scheich Sadeqs Sohn Arafat, der kurz vor seinem Tod das Staatsexamen der Medizin abgelegt hatte, arbeitet jetzt in unserem Krankenhaus in Al Mihlaf. Er will das Werk seines Vaters in dessen Sinn weiterführen. Ich stehe in täglichem APP Kontakt mit ihm.

Es gibt auch Positives: Wir haben die „Jemen Kinderhilfe e.V." beim Kauf eines Hauses für die Kinder in Taizz gemeinsam mit unserer Stiftung unterstützt. Monatelang arbeiteten die 14 großen Jungs jeden Tag zwei Stunden am Bau, damit alle 73 Jungs, 25 Mädchen, 8 alte obdachlose Männer und ca. 20 Frauen, die unsere Kinder betreuen und für Hungernde kochen, dort einziehen konnten. Das Haus steht nicht auf Huthi-Gebiet, so dass wir davon ausgehen können, dass dort keine saudischen Bomben fallen.
Ich bin stolz auf unsere Jungs. Ali der in Taizz alles leitet, schrieb mir gestern: „we are very sad, but here I am working without stopping". Der Umzug in das neue Haus hat inzwischen statt gefunden.

Auch dieses Projekt wird weiter bestehen und sich in Scheich Sadeqs Sinn entwickeln.
Er war ein großer, humorvoller, aufrechter und sozial engagierter Mensch und Freund, den wir nie vergessen werden.

Viele Grüße, bleiben Sie gesund!

      Aenne Rappel 
      Für den Vorstand