F Ö R D E R V E R E I N   A K T I O N   J E M E N H I L F E   e. V.

                                                Hilfe die ankommt und unmittelbar wirkt

Stiftung Jemenhilfe Deutschland

Jemen Kinderhilfe e.V.

Jahresbericht 2015

Aichach, im Oktober 2015


Liebes Mitglied, liebe Freunde und Sponsoren,

„2015!" Das heißt für uns 15 Jahre Förderverein Aktion Jemenhilfe e.V. und 15 Jahre Versorgung der Kranken in der Region um Al Mihlaf nach der Vollendung des Krankenhausbaus, - Dank Ihrer Unterstützung und Hilfe!!
Derzeit gehen uns viele freudige, derzeit jedoch ebenso viele sorgenvolle Gedanken durch den Kopf.
Ja, wir wollten feiern. Doch die Entwicklung im Jemen ist so dramatisch, dass wir einfach nicht feiern können, solange die Menschen im Jemen und damit auch unsere Schützlinge hungern und um ihr Leben bangen müssen.
Dieses Jahr konnte ich zunächst aus persönlichen Gründen und dann wegen der inzwischen ausgebrochenen Kämpfe nicht in den Jemen fliegen. Sämtliche Fluglinien stellten den Verkehr ein. Wäre ich im Januar, wie geplant geflogen, so säße ich immer noch in Taiz fest.

Seit fünf Monaten wird der Jemen von Saudi Arabien bombardiert. Es ist auch hier ein Kampf zwischen Schiiten und Sunniten, in den Saudi Arabien auf Bitten des Präsidenten Hadi eingreift.Es ist ein seit langem schwelender Krieg zwischen dem Stamm der Huthis und der Regierung des Jemen. Einst wurde dieser Kampf von dem, inzwischen als Folge der Revolution abgesetzten, Präsidenten Saleh geführt. Er hat jedoch inzwischen die Seite gewechselt und unterstützt jetzt mit seinen Söhnen, die hohe Militärs sind, seine ehemaligen Feinde.
Als Folge wurde die Regierung abgesetzt. Präsident Hadi floh nach Saudi Arabien.
Sana'a hat mittlerweile über 2 000 Luftangriffe erlebt. Viele zivile Opfer sind zu beklagen. Doch nicht nur Sana'a wird bombardiert, auch Taiz und viele andere Städte werden zerstört.Da im Jemen die Häuser nicht unterkellert sind, finden die Menschen keine Schutzräume. Sie leben in ständiger Todesangst.

Dazu kommt die Hungersnot. Der Jemen führte bisher über 80% seiner Nahrungsmittel ein. Die Lieferwege sind derzeit total abgeschnitten. Ca. 20 Millionen Menschen leiden Hunger. Es gibt weder Wasser, noch Strom, noch Benzin. Auch Gas ist inzwischen rar und teuer. Bedingt durch den Benzinmangel gibt es auch in der Millionenstadt Taiz keine Müllabfuhr mehr.

Erstaunlicher Weise funktioniert der Telefonkontakt per Handy und das Internet. So stehe ich wöchentlich mit unseren Freunden dort im Kontakt und höre von all den vielfältigen Nöten. Unser Krankenhaus ist so weit von Taiz entfernt und so hoch in den Bergen, dass es bisher Gott sei Dank weder bombardiert wurde noch von den Kämpfen betroffen ist. Unsere Mitarbeiter und ihre Patienten sind in Sicherheit, aber die Medikamente werden knapp. Es gibt mehr Kranke denn je!

Leider sitzt unser Verwalter Scheich Sadeq in Taiz in der Wohnung unserer Kindergruppe fest. Er berichtet von täglichen Bombenangriffen und entsetzlich vielen Toten. Es gibt weder für ihn noch für die Kinder ein Entrinnen von den schrecklichen Szenarien des Krieges. An Flucht ist nicht zu denken! Tagsüber das Haus zu verlassen ist zum Teil lebensgefährlich. Es gibt  auch kein Gas zum Kochen mehr. So suchen sie am Abend in der Dunkelheit in den Trümmern der durch die Bomben zerstörten Häuser nach Holz, um im Hof ein Feuer zum Kochen anzuzünden. Selbst Kerzen haben sie keine mehr. So können sie ab 18 Uhr nur noch im Dunkeln sitzen.
Bisher ist es Scheich Sadeq immer noch gelungen Lebensmittel aufzutreiben, jedoch zu total überhöhten Preisen. So mussten wir den Etat sowohl für das Krankenhaus als auch für unsere Kinder drastisch erhöhen. Wir sind froh, dass der Transfer des Geldes noch klappt und somit die Beträge für den täglichen Unterhalt monatlich ausbezahlt werden können.

Alle Schulen sind geschlossen, die Universitäten zerstört, ebenso wie 160 Krankenhäuser. Unser Medizinstudent Arafat hat sich nach Dhamar, einer kleinen Universitätsstadt durchgeschlagen. Er hat mit einigen seiner Freunde erreicht, dass einige Professoren privat in Wohnungen mit ihnen weiterarbeiten.

Die Saudis haben zwar jetzt die Huthis aus Taiz vertrieben, jedoch Al Kaida und der IS folgten. Sie zerstören derzeit sämtliche Einrichtungen, die mit Ausländern zusammen gearbeitet haben. Damit sind auch unsere Kindergruppe und Scheich Sadeq sehr gefährdet.

Zum Krieg im Jemen gibt es derzeit kaum unabhängige Berichte. Das Internationale Rote Kreuz berichtet  dass die Situation nach fünf Monaten Krieg im Jemen der Situation in Syrien nach fünf Jahren Krieg  entspricht. Im Augenblick bereitet sich Saudi Arabien mit seinen Verbündeten wohl auf einen Sturm auf Sana'a zu Luft und Lande vor. Sicher ist, dass ein neuer Flüchtlingsstrom am Entstehen ist. Innerhalb des Landes sind bereits über eine Million Menschen auf der Flucht. Sie suchen Sicherheit und finden jedoch keine. Da die Jemeniten schon vor den Kampfhandlungen arm waren, ist es ihnen im Gegensatz zu den Syrern nicht möglich mit Hilfe von Schleppern aus dem Lande zu fliehen. Derzeit fliegt pro Tag ein einziges Flugzeug nach Amman. Ein Ticket kostet 7 000$! Doch auch wer das bezahlen kann muss mindestens sechs Monate warten. Von dort würde der Fluchtweg jedoch über Syrien führen. Weder Saudi Arabien noch der Oman lassen Jemeniten einreisen.

Wir haben uns entschlossen eine Petition mit dem Aufruf zur Beendung der Zerstörung des Jemen in Umlauf zu bringen. Diese Petition soll dann an diverse Ministerien in Berlin gehen. Wir fordern, dass unsere Volksvertreter ihre Stimmen erheben. Sie finden die Möglichkeit zu unterschreiben unter www.jemenhilfe-deutschland.de.
Bitte unterschreiben auch Sie! Geben Sie die Petition bitte an Ihre Freunde und Bekannte weiter! Jede Unterschrift zählt! Wir dürfen nicht länger schweigen!

Wie Sie meinem Schreiben entnehmen, wird unsere und Ihre Unterstützung im Moment mehr denn je ge-braucht!  Bitte helfen Sie, damit wir helfen können! Nach wie vor ist es Hilfe, die ankommt und unmittelbar wirkt.

Mit freundlichen Grüßen
Aenne Rappel
Für den Vorstand

Zur Situation 2012